GEO-Tag der Artenvielfalt in Wuppertal

GEO-Tag der Artenvielfalt in Wuppertal (im Rahmen der Bodenwoche 02 -09.06.2007)

Spannende Expeditionen für Junge und Alte am Eskesberg im Rahmen der Bodenwoche 

Ein Naturschutzgebiet am Eskesberg wurde teilweise in den letzen vier Jahren technisch saniert, denn hinter dem Kalkofen befindet sich unter mehreren Metern Boden eine nun abgedichtete Haus- und Schuttmüllkippe. In den 50er und 60er  Jahren wurde in dem alten Kalkabbaugebiet Hausmüll entsorgt, die entstehenden Gase ließen die Kippe eine lange Zeit glimmen und am Schluss wurde die Kippe mit Erde bedeckt und der Vegetation selbst überlassen.

Der Kalkofen wurde 1959 stillgelegt und 1978 von zwei Mitgliedern der "Bürgerinitiative Naherholungsgebiet DIE BEEK" als Industriedenkmal wiederentdeckt, dennoch dauerte des bis 1989 bis die umfassenden Sanierungsarbeiten abgeschossen wurden. Seit dem werden regelmäßige Führungen ehrenamtlich angeboten und Frau Erika Heilmann setzt sich ehrenamtlich ein, um den nicht weit entfernten, (Zug-Bahnhof der Nordbahntrasse Dorp) leider noch verbogenen Ringkalkofen, ebenfalls als Industriedenkmal beleben zu können.

Durch die Sanierung der Kippe (Hausmüll)  (Kosten 2,5 Millionen Euro, wovon das Land 80% der Kosten übernahm) wurde die Vegetation zum größten Teil eliminiert und einige Samen aufbewahrt um sie nach der Sanierung wieder einzubringen. Die Tiere mussten sich selbst umsiedeln, die Bauarbeiten dauerten von 1999 bis 2003.

Im letzten Jahr wurden schon viele Pflanzen und Tiere gesichtet und beobachtet, die früher auf dem Gelände zu sehen waren. Das Gebiet ist mit verschiedenen Böden und Materialen bestückt worden(Kies und Kalksteine),  um verschiedene Vegetationsstadien zu beobachten und sich entwickeln lassen können. Durch diese Methode sollen verschiedene selten vorkommende Lebewesen und Pflanzen sich dort ansiedeln, die in entfernten Kalkbrüchen oder stillgelegten Eisenbahntrassen zur Zeit zu finden sind.

?Die Vielfalt entdecken ? Der Vielfalt auf der Spur? ? unter diesem Motto fand auch in diesem Jahr wieder der GEO-Tag der Artenvielfalt statt. Ziel und Herausforderung war es, die große Vielfalt der  Lebewesen auf der ehemaligen Mülldeponie zu dokumentieren, ob im und auf dem Boden, im Wasser und auch in der Luft.
Damit sollte die Bedeutung von Natur-Schutzmaßnahmen, auch für unscheinbare Tiere (Insekten, Miniorganismen etc.), einer breiten Öffentlichkeit deutlich gemacht und präsentiert werden. Dabei wurden junge und alte Mitbürgerinnen und Mitbürger begeistert.

Mit der Mithilfe von zahlreichen Kooperationspartnern und ehrenamtlichen Helfern (u. a. Universität Wuppertal - Biologie und Bauingenieure , Naturwissenschaftlicher Verein Wuppertal, Station Natur und Umwelt und Natur- Umweltschutz-Akademie NRW (NUA NRW)) hat das Ressort Umweltschutz der Stadt Wuppertal ein interessantes, spannendes und umfangreiches Programm geboten. Kindergärten, Schulen, Universitäten und deren Studenten und viele interessierte Bürgerinnen und Bürger waren bei den Exkursionen, Untersuchungen und Beobachtungen tatkräftig aktiv.

Es bestand eine interessante Herausforderung die Experten bei der Feldforschung zu begleiten, ?unsichtbare?, mikroskopischkleine Lebewesen unter dem Mikroskop zu beobachten und diese zu bestimmen. Auch auf den Exkursionen über Tag und auch bei Nacht wurden verschiedene Tierarten und Pflanzen bestimmt. 
Im weiteren wurde die neue Entgasungsanlage (Gassammelstation) erklärt und konnte besichtigt werden.


Zum Abschluss dieses GEO-Tages wurden ab Einbruch der Dämmerung (ca. 22 Uhr) nachtaktive Tiere wie Fledermäuse mit speziellen Geräten hörbar gemacht und die Tiere und deren Lebensräume und Aktivitäten erklärt.
Die nachtaktiven Insekten wurden mittels eines durch Schwarzlicht leuchtenden Turmes, auch ?Leuchtzelt? genannt, von Herrn Dr. Armin Radtke angelockt. Unter den so zu beobachtenden Tieren befand sich auch ein Exemplar des Lindenschwärmers (Mimastiliae), ein ausgesprochen bunter Nachtfalter, der so gar nicht dem gängigen Klischee der grauen, braunen Motten entspricht.

Am Samstag den 09. Juni wurde eine weitere Exkursion auf dem alten Kippengelände am Eskesberg und Umgebung ehrenamtlich, interessant und spannend ausgerichtet. Es kamen einige Wuppertalerinnen und Wuppertaler und ließen sich Pflanzen und Fauna erklären.
Es wurden Molche näher erklärt, die zu den Amphibien-Gattung gehören, die vorab aus einem Tümpel entnommen wurden, es wurde an Hand von Büchern die Art und das Geschlecht bestimmt.
Die Kinder fanden Häute von verschiedenem Liebellenarten und viele Insekten. Einige Libellenarten waren sehr selten in dieser Gegend und der Experte freute sich sehr, dass diese sich nun auch an den Tümpeln angesiedelt haben. Es konnte an Hand der Häute erkannt werden, dass sie wohl ein ganzes Stadium an diesem Tümpel entwickelt haben, es handelt sich um eine Frühe Heidelibelle, diese konnte früher nur in alten Kalkabbaugebieten beobachtet werden.
Ein kleiner Junge entdeckte einen kleinen Frosch, der über den Boden hüpfte.
Jung und Alt hatten viel Spaß an der Exkursion, die über spannende und interessante zwei Stunden dauerte. Einige Erwachsene wurden wieder Kinder und hatten Spaß die Molche zu fangen.
Die Exkursion ging auch ein Stück entlang des Eulenkopfweges, der durch Wuppertal geht, , an dem auch unweit einer Wiese bei Dorp, verborgen unter einigen Metern Erde und Schutt, der Ringkalkofen steht Hier sollte evtl. ein Sport-Bogenschieß-Stand entstehen, dieser würde aber die Natur,  die Fußgänger und das Naherholungsgebiet beeinträchtigen, der Antrag liegt bei der Stadt.
Im Weiterem hatte Herr Tim Laussman drei Raupen in dafür vorgesehenen Behälter mitgebracht, um diese den interessierten Wuppertalerinnen und Wuppertalern zu präsentieren und zu erklären.
Bei der grünen Raupe (ohne orange Warzen) handelt es sich um die Raupe des Abendpfauenauges (Smerinthus ocellata). Diese Nachtfalterart aus der Familie der Schwärmer, wird in Wuppertal regelmäßig beobachtet und gesehen. Das gezeigte Tier stammt aus einer Nachzucht und gräbtsich in den Boden ein und  danach verpuppt es sich.
Die grün-schwarze Raupe mit den orangen Warzen wird sich zu einem
Kleinen Nachtpfauenauge (Saturnia pavonia, Familie Augenspinner)
entwickeln. Die Tiere spinnen sich in einen Kokon, in dem sie sich
verpuppen. Die Falter schlüpfen im nächsten/ kommenden Frühjahr. Da die Weibchen tagsüber die Männchen mit Pheromonen (Sexualduftstoffen) aus großer Entfernung anlocken, findet jährlich im April eine Exkursion  statt. Dort werden die Weibchen verpaart. Ein Teil der abgelegten Eier wird für die erneute Nachzucht verwendet.

Um solche Exkursion durchführen zu dürfen und Untersuchungen und Beobachtungen zu planen und zu realisieren muss eine Ausnahmegenehmigung der Stadt dem Verein oder Einrichtung vorliegen.

Wer Interesse am Erleben solcher Seiten der Natur hat, der kann an den kostenfreien Exkursionen des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertal teilnehmen. Nähere Informationen dazu gibt es im zweimal jährlich erscheinenden Programmheft des Fuhlrott-Museums (http://www.fuhlrott-museum.de/) oder Sie können sich auch an die Umweltberatung der Stadt Wuppertal wenden.


Till Brühne


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